Contriva

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Contriva
Zimt

out: 07.05.1997

Contriva: Zimt

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Zimt

Contriva wähnen sich in Sicherheit. Sie glauben, sie entzögen sich dem ewigen Schicksal des Musikschaffenden, sich einordnen zu müssen. Contriva sind angehende Akademiker, entstammen also sozusagen jener sozialen Schicht, die körperlos über das Sein sinniert und dem Ehrgeiz erlegen ist, stets Neues zu schaffen. Sie paaren ergreifend schlichten Dilletantismus mit dem Willen, über ihre Grenzen hinauszugehen, wie es schon immer das Stilmittel gebildeter Mittelschichtler war, um sich vom Van-Halen-Lehrvideo Gitarrenlicks übenden und Langhaar-Frisur-schüttelnden Pöbel zu distanzieren. Nichts, was schon einmal war, würden Contriva nochmals zitieren; lieber spielen sie die unmöglichsten Taktmaße, lassen einfach den Gesang weg, anstatt auf der Gitarre zu solieren, blasen sie die Solos lieber auf dem Kamm, tauschen die Instrumente und geben den "Songs" Namen, wie Überschriften zu Kurzgeschichten, die da heißen "Nachbarn, keine Freunde", "Space-Mitleid" oder "Morgen regnet´s sowieso".
Ja Contriva glauben, sie würden dem Anspruch gerecht, eine Art ästhetischen Status Quo der Abiturienten zu formulieren.
Aber:
Meine Entdeckung wirft alles über den Haufen. Contriva machen eine Musik, die es schon seit Ewigkeiten gibt und die eigentlich dem schlichten, sehnsüchtigen Gemüt mit Einmal-raus-aus-dem-Alltag-Attitüde vorbehalten ist. Sie werden sich wohl oder übel in eine Schublade einordnen lassen müssen. Contriva machen nämlich einfach nur: "Country-Musik". Zwar den Country undrahtiger, ostberliner post-Mauer Anfang-Zwanziger - aber trotzdem; sie erzählen dieselben Geschichten von Ferne, Weite, Heimweh, mit derselben melancholischen Sehnsucht und der trotz allem warmen Schlichtheit und ergreifenden Durchschaubarkeit eines typischen Country-Songs, - wenn man eben die Wirkung abwartet.
Phlorian Dietz

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